Werneuchen

Geschichte | Ortsbeschreibung | Stadtpfarrkirche St. Michael
 
Geschichte

Ein bischöflicher Kapellan namens Johannes de Warnowe tritt 1247 und noch einmal 1249 als Zeuge in Zehntverschreibungen auf. Die Existenz eines Priesters läßt darauf schließen, daß zu dieser Zeit bereits eine Kirche bestand. 1267 wird Warnow, wie Werneuchen damals hieß, in einer Urkunde als Dorf (villa) genannt, 1300 heißt es Städtchen (oppidum Warnow). Diese Entwicklung verdankt der Ort der wichtigen Handelsstraße, welche von Berlin nach Oderberg und weiter nach Stettin führte. Nach dem Landbuch (1375) gehörten stattliche 109 Hufen zur Gemarkung. Als Ortsherr wurde ein Schenk von Sydow genannt. Noch vor 1416 geriet Werneuchen in den Besitz der von Krummensee, den sie 1550 noch inne hatten, allerdings war jetzt nur noch von einem Flecken die Rede. Als Flecken wird der Ort auch 1844 noch bezeichnet. Erst 1865 wird Werneuchen zur Stadt erhoben.
1432 wird der Ort von den Hussiten eingeäschert. Auch 1637, im Dreißigjährigen Krieg, wird Werneuchen ein Raub der Flammen, die Kirche, ein spätromanischer Feldsteinbau, der schon 1240 erwähnt ist, wird weitgehend zerstört. 
Weit über seinen Heimatort hinaus bekannt wurde der Dichterpastor Schmidt von Werneuchen (Wilhelm August Schmidt, 1764 – 1838) durch seine Idyllendichtung über die Natur. Ein gußeisernes Kreuz ziert seine Grabstelle auf dem Friedhof und am Pfarrhaus befindet sich eine Gedenktafel.
Die hugenottische Familie Petitjean, die in Werneuchen eine Bauernwirtschaft zugewiesen bekam, errichtete an der Poststraße Berlin-Freienwalde eine Poststelle. Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb der Berliner Industrielle Stock, dessen Schwiegersohn 1913 hier ein Schloß im Stil der französischen Renaissance errichten ließ. Nach der Bodenreform diente es als Schule und Wohngebäude. Seit Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts leerstehend, wird es jetzt vom Eigentümer, der Stadt Werneuchen, restauriert.

Ortsbeschreibung

Werneuchen, an der B158 von Berlin nach Bad Freienwalde gelegen, wird heute als eine idyllische Wohnstadt bezeichnet. Sie besteht aus 5 Ortsteilen: Rudolfshöhe, Stienitzaue, Amselhain, Werneuchen Ost und der Altstadt.
Der nie befestigte Ortskern der Stadt liegt an der angerartig verbreiterten Durchgangsstraße mit der Kirche an der NW-Ecke.
Die heutige Pfarrkirche ist ein Backsteinbau von 1873/74 unter Einbeziehung des rechteckigen Chores der Feldsteinkirche mit einem Netzgewölbe aus dem 16. Jahrhundert. Auf dem heute als gepflegter Park erhaltenen Friedhof befindet sich ein Mausoleum der Familie Petitjean, ein klassizistischer Putzbau, der angeblich ein Frühwerk von Karl Friedrich Schinkel sein soll.
1935 bekam Werneuchen einen Militärflugplatz und wurde zur Garnisonsstadt. Nach Jahrzehnte langer Nutzung durch die sowjetische Luftwaffe ist er seit September 1993 Zivilflugplatz. nach oben

Stadtpfarrkirche St. Michael

Die Kirche steht an der Nordwestecke des alten Stadtkerns an einer erhöhten Stelle inmitten des ehemaligen Friedhofs, auf dem sich noch das Grab des Dichterpastors Wilhelm August Schmidt (1764 – 1838) befindet.
Der ursprüngliche Kirchenbau entstammt dem 13. Jahrhundert. Im 30jährigen Krieg zerstört, wird er danach wieder aufgebaut. Wie aus einer Skizze von Fontane zu erkennen ist, war es eine Chorquadratkirche mit querrechteckigem Turm in Schiffsbreite. 1873 wurde der mittelalterliche Feldsteinbau abgerissen und durch einen geräumigen Neubau ersetzt. Erhalten blieb nur der rechteckige Chor. Schiff und Turm wurden dagegen in Backstein und mit wiederverwendeten Feldsteinen neu errichtet.
Chor und Schiff besitzen neogotische Staffelgiebel.
Im Innern besitzt das Kirchenschiff eine flache Holzdecke und eine Hufeisenempore. Der Chorraumes erhielt im 16. Jahrhundert ein zweijochiges Netzgewölbe.
Der gemauerte Altar wird von einem Messingkreuz geschmückt. Das spitzbogige Fenster in der Ostwand des Chorraumes ist mit neuzeitlichen Glasmalereien versehen. In rechteckige Felder gegliedert, sind Themen der Heilsgeschichte gestaltet. Am Triumpfbogen steht auf einem Steinsockel die hölzerne polygone Kanzel aus dem Jahre 1875.
Zwischen 1991 und 1994 wurden an der Kirche umfassende Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt. nach oben
 

� Märkische Eiszeitstraße, Ebert, Busse, de Taillez, 2003