Zur Geologie des Oderbruchs
Lange Zeit standen sich die unterschiedlichen Auffassungen über die Entstehung des Odertales und des Oderbruches kontrovers gegenüber. Neben den Vertretern einer eiszeitlichen Entstehung gab es auch ein Gruppe von Geologen, die die Auffassung vertraten, dass es sich hierbei um eine tektonische Erscheinung, das heißt um eine Art Grabenbruch handelt. Letztere Hypothese konnte aber bisher nicht belegt werden.
Man ist sich jetzt eigentlich sicher, dass die Vertiefung im Bereich des heutigen Oderbruchs durch einen saalekaltzeitlichen, von Nordosten vorstoßenden Inlandeislobus als Zungenbecken hinter einer gewaltigen Stauchendmoräne entstand. Von den Gletschern der Saale-Kaltzeit ist bekannt, dass sie enorme Kräfte entwickelten und auf der nicht tief gefrorenen Landoberfläche starke Stauchungen und Ausschürfungen erzeugten. Tertiäre Schollen mit Tonen und Braunkohleflözen schob das Eis bis auf den Barnimrand, wo sie bis in die jüngste Zeit noch abgebaut wurden. Wie die Braunkohlevorkommen zeigen, sind die Erdschichten zwischen Frankfurt/Oder und Bad Freienwalde durch den Druck des Eises durchgehend gestört, d.h. nicht mehr in ihrer natürlichen Lagerung.

Vor etwa 21 000 Jahren erreichte das Inlandeis der Weichsel-Kaltzeit den Nordrand des Oderbruchs und drang mit einer Zunge in die schon bestehende tief liegende Oderniederung ein. Ca. 1000 Jahre vergingen, bis das Gletschereis seine südliche Grenze, die Brandenburger Eisrandlage, erreicht hatte. Man kann davon ausgehen, dass in dieser Zeit im Oderbruch die Eishöhe bei 250 Metern lag und somit zwischen der Brandenburger Eisrandlage und der Ostsee alle Erhebungen vom Inlandeis überdeckt waren.
Die Schmelzwässer des rücktauenden Eises flossen über das Glogau-Baruther Urstromtal zur Nordsee ab.
Nachdem sich das abtauende Inlandeis etwa 50 - 60 km nach Norden zurückgezogen hatte, kam es zu einem Kälterückfall und es entstand die Frankfurter Eisrandlage mit einer nicht deutlich ausgebildeten Endmoräne. Ihr Alter liegt bei ca. 18 400 Jahren vor heute.
Über das Abschmelzen hinter der Frankfurter Randlage gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eine Hypothese, die viel für sich hat, besagt, dass es zu einer nennenswerten Erwärmung, dem sog. Blankenburger Interstadial, kam, in der das Eis bis zur Ostsee zurückschmolz, um nach einem erneuten Kälterückfall wieder bis zur Pommerschen Eisrandlage vorzustoßen.
Im Oderbruch hatte sich der Eiskörper, der von Schmelzwassersedimenten überdeckt war, als sog. Beckentoteis noch lange erhalten. Man nimmt an, dass es zur Zeit der Pommerschen Eisrandlage (ca. 16 000 v. h.) noch eine Mächtigkeit von etwa 50 m besaß. Erst im Alleröd, vor etwa 12 000 Jahren, ist das Oderbruch frei von Beckentoteis.
Literatur:
Schroeder, J. H. (Hrsg.): Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg.
No.2: Bad Freienwalde - Parsteiner See. Selbstverlag, Berlin 1994
Hannemann, M.: Regionale Vorkommen und Lagerungsverhältnise der quartären Einheiten.
In: Schroeder; J.H. und Brose, F. (Hrsg.): Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg.
No.9: Oderbruch - Märkische Schweiz - Östlicher Barnim. Selbstverlag, Berlin 2003
© Märkische Eiszeitstraße H. Domnick/W. Ebert, 2004