Architektur der Steinzeit - Großsteingräber |
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1.Wer
baute die Großsteingräber, der Teufel oder die Riesen ? |
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die Mehrzahl der archäologischen Fundplätze wie Siedlungen und Flächgräber,
Produktionsstätten obertägig nicht sichtbar ist, erschließt die Märkische
Eiszeitstraße ein Gebiet, in dem die Großsteingräber der Jungsteinzeit als
eindrucksvolle obertägige Bodendenkmale zum Teil sogar das Landschaftsbild
bestimmen. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren im Bereich der heutigen
Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg etwa 1300 Großsteingräber
und jungsteinzeitliche Steinkisten nachweisbar. Der ursprüngliche Bestand
wird in diesen beiden Ländern auf 2 000 bis 2 200 Anlagen geschätzt. 1976
waren in den Listen der staatlich geschützten Bodendenkmale nur noch 452
Großsteingräber erfaßt (Sprockhoff 1926; E. Schuldt 1976; R. Schulz 1989/90).
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"Hünengräber" In der Volkssage
werden die Großsteingräber häufig mit dem Teufel oder mit Riesen, auch
"Hünen" genannt, in Verbindung gebracht. Die in Norddeutschland geläufigen
Bezeichnungen "Hünengräber" oder "Riesensteingräber" zeugen davon. Verfolgt
man die Äußerungen in der Gelehrtenwelt über die geheimnisvollen "Steingerüste",
so wird man Einblicke in den Stand und die Entwicklung natur- und geisteswissenschaftlicher
Erkenntnis im Mittelalter und in den Zeiten des Humanismus gewinnen. Ende
des 17. und im 18. Jahrhundert im Zeitalter der Aufklärung begann sich
die moderne Geschichtswissenschaft zu entwickeln und als eine ihrer Disziplinen
in ersten Anfängen auch die Archäologie. |
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Gelehrsamkeit und Volkssage Anfangs waren
die Vorstellungen der Gelehrtenwelt von denen der Volkssage gar nicht
weit entfernt. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts äußerte der dänische
Chronist Saxo Grammaticus, die Großsteingräber seien von Riesen erbaut
worden. Im 15./16. Jahrhundert, dem Zeitalter der großen geographischen
Entdeckungen und Gründung zahlreicher Universitäten , befaßte man sich
eingehender mit der Landes- und Ortsgeschichte. Die archäologischen Denkmäler
wurden, teils in ein obskures Geschichtsbild eingeordnet, teils als Kuriositäten
betrachtet. Der pommersche Chronist Thomas Kantzow schrieb 1542 über die
Großsteingräber: "Wenn einer gestorben war, so machten sie ihm ein herrliches
Grab ... sechs große Steine wurden in einen Ring wie ein Sarg in die Erde
gesetzt und drei - die allergrößten - darüber gelegt." Er verwundert sich
über die Größe der Steine."In solch einem Grabe haben sie den Toten begraben
und haben ihm allerwege etwas mitgegeben, wozu er im Leben die größte
Lust hatte. War er ein Reiter, so haben sie ihm den Harnisch in die Grube
gelegt. War er aber ein Trinker, so haben sie ihm ein Faß Bier mit eingegraben
." (R. Schulz 1983). |
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Während Kantzow
offenbar von menschlichen Maßstäben ausging, gehörten die "Gigantes" selbst
noch im Zeitalter der Aufklärung im 17./18. Jahrhundert zum realen Geschichtsbild
der Gelehrten. Der Kölner Jesuit Athanasius Kircher begründete 1655 "naturwissenschaftlich".
ein System von Größenklassen der ehemals in Europa beheimateten Giganten.
Er hielt nämlich die fossilen Knochen eiszeitlicher und tertiärer Großsäugetiere
für Knochen der Riesen und errechnete daraus ihre unterschiedlichen Größen.
Dabei kamen dann im Vergleich zum Menschen Riesengestalten in der Höhe
von Kirchtürmen heraus. |
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Aufklärung An der Brandenburgischen
Landesuniversität Viadrina zu Frankfurt an der Oder wirkte seit 1667 der
Universalgelehrte Johann Christoph Beckmann. Er begründete die moderne
Landes-geschichtsschreibung im Fürstentum Anhalt und in der Mark Brandenburg.
Beckmann führte selbst Ausgrabungen durch und kannte aus eigener Anschauung
zahlreiche Großsteingräber in Deutschland und den Niederlanden. Er hatte
sogar die berühmte Megalithanlage Stonehenge in England besucht. Beckmann
traute normalen Menschen sowohl die Kraft als auch die Intelligenz zu,
die großen Steinblöcke über längere Strecken zu transportieren und die
Steine "50, 60 bis 100 Zentnern ... durch Walzen und andere Maschinen
an ihre Stellen zu bringen , die größesten aber über diese in die Höhe
zu heben". Ein Zeitgenosse Beckmanns, der holsteinische Pastor Albrecht
Andreas Rhode, begnügte sich einfach damit, daß er "... nicht die Alte
Welt so gefährlich machen will, daß sie von lauter unmäßlich großen Kerlen
bewohnet sei". |
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Megalithforschung in Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg Die Erforschung
der Großsteingräber nach den Maßstäben der modernen Archäologie begann
im Umfeld der Märkischen Eiszeitstraße im späten 19. und im 20. Jahrhundert.
Viele Anlagen waren jedoch bereits zerstört oder ausgeraubt. Als Ergebnis
umfangreicher Grabungs- und Sammeltätigkeit des Uckermärkischen Museums-
und Geschichtsvereins zu Prenzlau veröffentlichte der Löcknitzer Arzt
Hugo Schumann 1904 das bis heute als Standardwert geschätzte Buch "Die
Steinzeitgräber der Uckermark".1929 und 1930 untersuchte der Berliner
Archäologe Albert Kiekebusch das Gräberfeld von Wollschow. 1940 bis 1944
grub der Stettiner Archäologe Hans-Jürgen Eggers das "multikulturelle"
Gräberfeld von Wartin aus, das Gräber vom Neolithikum bis zur Vorrömischen
Eisenzeit erbrachte. 1967 brachte der Kieler Archäologe Ernst Sprockhoff
mit dem "Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 2 Mecklenburg, Pommern,
Brandenburg" ein wichtiges Grundlagenwerk heraus. Unter der Leitung des
Schweriner Archäologen Ewald Schuldt wurden in den Jahren 1964 bis 1973
in den damaligen Bezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg 145 Großsteingräber
ausgegraben. Die zahlreichen Veröffentlichungen aus diesem Forschungsprogramm
sind wesentliche Grundlagen der Steinzeitforschung im Ostseeraum. |
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Der große
Stein |
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Der steinerne
Tisch |
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Der
Urdolmen ist die älteste Form der Großsteingräber. Die rechteckige Grabkammer
besteht aus vier Steinblöcken, die möglichst mit ihren annähernd glatten
Seiten nach innen aufgestellt wurden. Die Wand- bzw. Trägersteine wurden
liegend auf ihren Langseiten nur geringfügig in den Boden eingetieft.
An die Schmalseiten wurden Abschlußsteine gesetzt. Die Grabkammer wurde
nach der Bestattung mit einem Deckstein verschlossen. Diese Grabkammern
waren ursprünglich wohl nur für die Bestattung einer Person bestimmt.
Außen war die Grabkammer mit einem Hügel, der häufig aus Steinen bestand,
umgeben. In der Archäologie werden diese Steine, um sie von den Großgeschieben
zu unterscheiden, als "Rollsteine" (abgeleitet von Geröll) bezeichnet.
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![]() Urdolmen bei Neuenfeld (nach E. Sprockhoff, 1967) |
| Kollektivgrab | Zurück | Seitenanfang Als man dazu überging, die Grabkammern wiederholt für Bestattungen zu benutzen, wurden sie so angelegt, daß die Möglichkeit eines Zugangs offen blieb. Somit mußte nicht für jede Bestattung der schwere Deckstein abgehoben werden. Der Urdolmen wurde nunmehr aus einem Abschlußstein und zwei Wandsteinen zusammengesetzt. Vor die offene Seite setzte man einen Schwellenstein. Der so verbliebene Eingang wurde mit Rollsteinen oder Steinplatten zugesetzt. Er konnte bei Bedarf ohne größeren Arbeitsaufwand geöffnet werden. Die Urdolmen
mit Eingang werden im Gebiet der Märkischen Eiszeitstraße eindrucksvoll
repräsentiert durch die Anlagen von Trebenow und Neuenfeld sowie das umgesetzte
Grab von Schmiedeberg. Meist sind Reste des Rollsteinhügels vorhanden
(Neuenfeld, Schmiedeberg). Diese Hügel waren zum Teil rund und an ihrer
Außenkante mit einem Steinkranz umgeben. In der Uckermark kommen auch
Urdolmen vor, die in die Erde eingesenkt sind. Sie sind meist kleiner
als die oben erwähnten Anlagen (E. Schuldt 1975). Einige weisen Eingangsöffnungen
auf. Wenn die Grabkammer vollständig in den Boden eingetieft ist, wird
sie auch als "Blockkammer" bezeichnet. im bewußten Gegensatz zur "Steinkiste",
die aus schmalen, plattenartigen Steinen zusammengesetzt wurde. |
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| Die Langseiten der Grabkammer bestehen aus je zwei aufrecht stehenden Wand- bzw. Trägersteinen. Zwei Trägersteine und der darüberliegende Deckstein bilden ein Joch. Der erweiterte Dolmen ist also aus zwei Jochen zusammengesetzt. An einer Schmalseite wurde die Wand aus einen Schlußstein gebildet. An der zweiten Schmalseite wurde ein schmaler Schlußstein oder ein Schwellenstein gesetzt. Dadurch blieb eine Zugangsöffnung frei. Die Ausdehnung des Innenraums der Grabkammern in den erweiterten Dolmen konnte bis zu 2,50 Meter Länge, 1,50 Meter Breite und 1,50 Meter Höhe betragen. Die Zwischenräume zwischen den Wandsteinen wurden sehr sorgfältig durch ein Trockenmauerwerk ausgefüllt, das teilweise mit Lehm verstrichen wurde. Der Boden der Grabkammern war häufig mit einem Steinpflaster mitunter auch mit gebranntem Feuerstein ausgelegt. Verschlossen wurde die Grabkammer durch zwei Decksteine. Der Eingang konnte mit Steinplatten oder Rollsteinen zugesetzt werden. Auch diese Grabkammern waren mit Hügeln umgeben, die ihrerseits wahrscheinlich mit aufrechtstehenden Steinblöcken eingefaßt waren. Im Bereich der Märkischen Eiszeitstraße sind die Gräber von Brüssow-Hammelstall, Mürow, Schwaneberg und Stegelitz (mit Resten der ehemaligen Steinhügel) Vertreter dieser Grabform. |
![]() Erweiterter Dolmen von Mürow (nach E. Sprockhoff, 1967) |
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Der Großdolmen entstand aus dem erweiterten Dolmen durch Hinzufügung weiterer Joche. Die Wände der Grabkammern sind aus 8 bis 12 Trägersteinen zusammengesetzt und mit 3 bis fünf Decksteinen verschlossen. Die Eingangsöffnung befindet sich immer an einer der beiden Schmalseiten. Die Grabkammern überschreiten selten die Läge von 8 Metern und sind bis zu 2,5 Meter breit. |
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![]() Großdolmen Dedelow (nach E. Sprockhoff, 1967) |
Die Kammern der Großdolmen standen ursprünglich quer in rechteckigen Langhügeln, die ihrerseits durch Steinsetzungen eingefaßt waren. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Grabform liegt in Vorpommern und auf der Insel Rügen. Im Gebiet der Märkischen Eiszeitstraße wird dieser Grabtyp durch die Anlage von Dedelow vertreten. Außerdem existiert die Nachbildung eines Großdolmens bei Lützlow. |
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Die Gangräber
sind im nördlichen Mecklenburg verbreitet. Die Wände bestehen aus 10 bis
12 aufrecht stehenden Trägersteinen. 3 bis 5 Decksteine verschließen die
Kammern. Der Zugang erfolgt immer durch eine Lücke zwischen den Wandsteinen
einer Langseite. Vor die Lücke wurde aus Wandsteinen und Decksteinen ein
Gang gebaut. Der Gang wurde meist an beiden Enden durch Steinplatten verschlossen.
Die Ganggräber sind von rechteckigen Hügeln mit Steineinfassungen umgeben.
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![]() Ganggrab Wartin (nach E. Kirsch, 1993) |
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Sonderfall Wartin Eine Sonderform
bietet das "multikulturelle" Gräberfeld von Wartin. Hier ist in einem
Hünenbett eine Grabkammer aus Steinplatten in Form eines Ganggrabes angelegt
worden (E. Kirsch. 1993). Wurde dieser Grabbau vielleicht in der ungewöhnlichen
Form angelegt, weil hier auf der Terrasse des Randow-Urstromtales keine
Großgeschiebe zur Verfügung standen ? |
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1938 wurde
in der Großen Warthischen Heide ein Findling ausgegraben. Seine Ausmaße
entsprachen denen der Decksteine von Großsteingräbern. Unter dem Stein
befand sich ein Pflaster aus Sandsteinplatten mit drei Steinbeilen und
Resten einer Kugelamphore - offensichtlich Beigaben einer Bestattung.
Solche Gräber, die keine Wand- oder Trägersteine aufweisen und bei denen
die Bestattung von einem einzigen großen Stein bedeckt wird, werden als
Monolithgräber bezeichnet (griechisch: monos = eins; lithos = der Stein).
Auch in dem multikulturellen Gräberfeld von Wartin wurde ein Monolithgrab
mit Hockerbestattung gefunden (E. Kirsch 1993). |
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"Kammerlos"
Sie warten
darauf, entdeckt zu werden. |
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Die Steinkisten gehören wegen ihrer geringeren Größe nicht mehr zu den Großsteingräbern. Hier besteht die Grabkammer aus vier eher plattenförmigen (bis zu 20 cm starken) Seitensteinen. Sie wurde vollständig in den Boden eingesenkt. Mitunter kann eine Seite auch aus zwei plattenförmigen Steinen bestehen. Die Kammern waren mit einer Steinplatte oder einem Block abgedeckt. |
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| Der
Übergang zu den Block-Kammern, deren Wände aus dickeren Steinblöcken bestehen,
ist fließend. Als Baumaterial für die Steinkisten wurde das in der Region
vorhandene plattige bzw. spaltbare Gestein verwendet. Die Ausmaße der Steinkisten
sind in der Regel für die Bestattung einer Person ausgelegt (E. Kirsch 1994).
Jedoch enthielten einige Steinkisten die Überreste mehrerer Personen. Manchmal
sind Steinkisten von einem flachen Grabhügel umgeben. Bei Stolzenhagen war
eine Steinkiste mit zwei bestatteten Personen offenbar in einen älteren
großen Grabhügel eingetieft. |
![]() Steinkiste Wollschow (nach E. Schuldt, 1974) |
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Transport
des Baumaterials |
Bau
der Grabanlage |
Arbeits-
und Zeitaufwand Die Schweriner Archäologen Ewald Schuldt (1972; 1976) und Erika Nagel (1984) haben die Arbeitsvorgänge nach den Ergebnissen Grabungs- und Forschungsprogramms 1964-1973 zusammenfassend geschildert. Als erstes wurden als Baumaterialien geeignete Großgeschiebe in den Siedlungsgebieten und deren weiterer Umgebung aufgesucht. Diese mußten gegebenenfalls ausgegraben werden. Man bevorzugte Steine, die, bedingt durch die eiszeitliche Gletschertätigkeit, wenigstens eine plangeschliffene Fläche aufwiesen. Zum Spalten von Steinblöcken wurden in der Jungsteinzeit mit Hilfe von Wasser, Feuer, Keilen und Keulen Verfahren angewendet, die noch im 19. Jahrhundert bei den Steinschlägern in Norddeutschland und Dänemark beobachtet wurden. Der Transport der Bauelemente zum Bauplatz war eine aufwendige Arbeit. Die tonnenschweren Blöcke wurden auf Rollen aus Baumstämmen bewegt. Damit sich die Rollen unter dem Gewicht des Steins nicht in den Boden drückten, wurden andere Stämme oder Balken als Schienen in der beabsichtigten Bewegungsrichtung untergelegt. Auch Transportgestelle in Form von Schlitten oder Schleifen konnten zum Einsatz kommen. Mit Hilfe von Hebebäumen, Keilsteinen und Keilen wurde der Stein auf das Transportmittel gehebelt. Mit Seilen konnte er nun gezogen werden. In abschüssigem Gelände waren Keile als Bremsen wichtig. Sollte der Stein ausschließlich mit Menschenkraft bewegt werden, so ist mit 15 Arbeitskräften pro Tonne Gewicht zu rechnen. Vielleicht wurden Rinder als Zugtiere eingesetzt. |
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![]() Bau eines Großsteingrabes (Zeichnung: U. Schwert) |
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Auf dem
vorbereiteten Bauplatz wurde die Grabgrube oder ein Fundamentgraben ausgehoben.
Die Trägersteine wurden herumgelegt und mit Hilfe von Hebebäumen und Verkeilsteinen,
mit der glatten Seite nach innen, in die Grube gedrückt und aufgerichtet.
Die meist unregelmäßige Unterseite wurde durch untergelegte Standsteine
gesichert. Oft wurden die aufgerichteten Wandsteine durch Packungen aus
feucht gestampftem Lehm gesichert. Im Innenraum bildete der Stampflehm
den Boden der Grabkammer. Außen umgab er nach dem Austrocknen die Kammer
als fester Mantel. Anschließend wurde um das Bauwerk herum der Hügel aufgeschichtet,
wozu besonders Rollsteine Verwendung fanden. In der Grabkammer wurden
die Lücken zwischen den großen Träger- bzw. Wandsteinen mit einem Trockenmauerwerk
ausgefüllt und mit Lehm verstrichen. Bevor die Decksteine aufgebracht
wurden, mußte die Grabkammer abgestützt werden, damit nicht etwa die mühsam
aufgerichteten Wände durch das Hinaufschleifen der Decksteine beschädigt
oder umgestoßen wurden. Dazu wurden wahrscheinlich hölzerne Stützkonstruktionen
oder eine Steinpackung als Abstützung in die Grabkammer eingebaut (E.
Nagel 1984). Auf einer gesondert angelegten Rampe, die mit Rollsteinen
verstärkt wurde oder auf der Böschung des Grabhügels wurden mit Hilfe
der oben genannten Transportmittel die Decksteine über die Grabkammer
geschleift. Nach dem Ausräumen der Stützkonstruktion konnte der Innenausbau
der Grabkammer beginnen. Die Wände wurden in ihren oberen Teilen abgedichtet.
Der Boden der Kammer wurde häufig mit einem Steinpflaster ausgelegt und
durch Reihen aus kleinen, hochkant stehenden Steinplatten in mehrere "Quartiere"
aufgeteilt. Zum Abschluß wurde der Grabhügel mit einer Einfassung aus
Steinen versehen, seiner Form entsprechend entweder als runder Steinkreis
oder als viereckiges Hünenbett. |
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Auf der Grundlage experimentell-archäologischer Erfahrungen mit Erd- und Steinarbeiten sowie konkreter völkerkundlicher Beobachtungen entwickelte der Freiburger Archäologe Johannes Müller (1990) ein EDV-Programm, das die Arbeitsleistungen für monumentale Steinanlagen unter Einsatz einfacher vorindustrieeller technischer Hilfsmittel berechnet. Er ermittelte den Arbeitsaufwand für ein großes Ganggrab mit 49 Meter langem Hünenbett bei Kleinkneten, Landkreis Oldenburg. Danach hätten 100 Personen bei einem zehnstündigen Arbeitstag in etwa 3 ½ Monaten diese große Anlage errichten können. Die Ergebnisse liegen erstaunlich unter früheren Berechnungen oder Vermutungen, die mitunter mehrere Jahre oder Jarhzehnte für den Bau einer Megalithgrabanlage veranschlagten. Den größten Arbeitsaufwand erforderte der Transport der großen Steine. Beim Einsatz von Rollen oder Schlitten waren pro Tonne Gewicht 15 Menschen zum Ziehen mit Seilen erforderlich. Den Transport des 4 Tonnen schweren Decksteins vom erweiterten Dolmen Brüssow-Hammelstall hätten also 60 Arbeitskräfte bewerkstelligen können. Beachtliche Transportleistungen mußten auch für das Stein- und Erdmaterial des Grabhügels und die Einfassung erbracht werden. Grundvoraussetzung für Berechnungen der Arbeitsleistungen ist die "Quantifizierung" der Megalithanlage, d.h. die Ermittlung des Volumens und des Gewichts jedes einzelnen Bauelementes. Es ist zu beachten, daß nicht für alle Arbeitsschritte gleich viele Arbeitskräfte erforderlich waren, daß andererseits auch manche Arbeitsgänge parallel verliefen. Bei einem erweiterten Dolmen unseres Gebietes, z.B. dem Mürower Grab wird man auf der relativ kleinen Baustelle für das Aufrichten der 5 Trägersteine den Einsatz von 12 Arbeitskräften annehmen können. Diese benötigten für diese Arbeiten etwa 12 bis 13 neunstündige Arbeitstage. Für das Auflegen der beiden etwa 4 Tonnen schweren Decksteine waren, wie vorher beim Transport, erheblich mehr Personen erforderlich. Beim Einsatz von 60 Arbeitskräften könnte diese Arbeit an einem Tag erledigt werden. |
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Einzelbestattung oder Erbbegräbnis ? | Knochendepot - ein eigenartiger Bestattungsritus | Beigaben für die Existenz in Jenseits | Ein Haus für die Toten | Gemeinschaft der Lebenden mit den Ahnen | Megalithgräber werden "geschlossen" Als die Archäologen sich für die Großsteingräber im Bereich der heutigen Märkischen Eiszeitstraße zu interessieren begannen, waren die meisten Grabanlagen bereits ausgeräumt. Zu ihrer Interpretation kann weitgehend auf die Ergebnisse des mehrfach erwähnten Forschungsprogramms (E. Schuldt 1972) zurückgegriffen werden. |
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Die Gräber
der Trichterbecherkultur, sowohl die Erdgräber wie auch die Großsteingräber,
wurden in unmittelbarer Nähe der Siedlungen teilweise auch in den Siedlungen
angelegt. Die Urdolmen waren, ähnlich wie die Steinkisten, ursprünglich
nur für die Bestattung eines Toten bestimmt. Die Zugangsöffnungen bei
den obertägigen Urdolmen und in den erweiterten Dolmen darauf hin, daß
hier offenbar beabsichtigt war, weitere Verstorbene einer Sippe oder Siedlungsgemeinschaft
beizusetzen. Wir sprechen von einem "Kollektivgrab". Die Zugangsmöglichkeiten
weisen auch eingegrabene Urdolmen auf. Somit dürften auch sie für mehrere
Bestattungen vorgesehen sein. |
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In allen Großsteingräbern, deren ursprügliche Bestattungen erhalten geblieben waren, stellten E. Schuldt und seine Mitarbeiter einen ungewöhnlichen Bestattungsritus fest: " Die Toten lagen z. T. in mehreren Lagen übereinander, wobei die Schichten durch Sand oder Lehmschüttungen getrennt und abgedeckt waren. In keinem Grab konnten echte Körperbestattungen erkannt werden, d. h. es gab keine Toten, die in Streck- oder Hockerlage angetroffen wurden. Immer waren die Gebeine in größeren oder kleineren Haufen zusammengelegt, und sicher enthielten die einzelnen Depots nicht alle Gebeine der Skelette. Wir müssen aus diesen immer wieder gemachten Beobachtungen folgern, daß die Toten, bevor sie ihren Platz in den Grabkammern erhielten, bereits an anderen Stellen niedergelegt waren." Aus der Völkerkunde sind Bestattungsriten bekannt, in denen wurden die Verstorbenen auf besonderen Plätzen oder Podesten aufgebahrt bis die Körper verwest und zerfallen waren. Die Knochen wurden danach eingesammelt und gesondert bestattet. Die Stellen der ersten Bestattungen sind der Forschung bisher unbekannt geblieben. Aus der Völkerkunde sind auch Bestattungsriten bekannt, in denen mehrfache Ausgrabung und "Umbettung" der Bestatteten üblich waren (J. E. Lips 1953). |
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Beigaben
für die Bestatteten in den Großsteingräbern sind Tongefäße, Äxte und Beile
sowie Meißel aus Feuerstein, Pfeilspitzen und Schmuck, der mitunter aus
Bernsteinperlen besteht (E. Schuldt 1966, S. 16f.). Aus der Beigabe von
Gegenständen des täglichen Gebrauchs, Waffen Schmuck und Nahrungsmitteln
lassen auf Vorstellungen schließen, daß die Seelen oder Geister der Verstorbenen
weiter existierten. Nicht selten fanden die Ausgräber auch Gegenstände
von Beigabencharakter außerhalb von Großsteingräbern (Keramik, Steingeräte
und Waffen). Diese Befunde werden unterschiedlich interpretiert. E. Schuldt
sah in diesen Funden, die Überreste von Beigaben der Bestattungen in den
Megalithgräbern, die anläßlich späterer Bestattungen ausgeräumt wurden.
Bei dänischen Großsteingräbern schloß man auf die Überreste von Zeremonien,
die am Grab zu Ehren der Verstorbenen abgehalten wurden. |
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Unter dem
Eindruck der in Dänemark ausgegrabenen großflächigen Häuser der Trichterbecherkultur
interpretierte der Kieler Archäologe Gustav Schwantes (1952, S. 155) ein
Hünenbett mit megalithischen Kammern: "Wie die Lebenden in den Zimmern
langgestreckter Häuser wohnten, so sollte auch den Toten ein derartiges
Langhaus gehören. Die Wände dieses Totenhauses sind mit großen Findlingssteinen
abgestützt, deren eben Flächen nach außen gewandt sind. Das Innere wurde
mit Erde gefüllt, in die man die Wohnräume für die Toten einbaute, eben
die erwähnten Steinkammern. Lücken in der steinernen Außenwand führten
zu einem Gang, durch den man in die Totenkammer gelangen konnte." |
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Wie viele Ackerbauernvölker haben wohl auch die jungsteinzeitlichen Bauern der Trichterbecherkultur ein enges Verhältnis zu ihren verstorbenen Ahnen gepflegt. Dies erschließt sich auch aus dem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zwischen Siedlungen und den Gräbern. Die Großsteingräber symbolisieren das dauernde Gedächtnis, welches verbunden mit Zeremonien und Opfergaben die Geister der Ahnen zum Schutz und Nutzen der Lebenden an die Gemeinschaft binden sollten. Nach außen markieren die Grabmale unübersehbar die Territorien und repräsentieren die Kraft und den Zusammenhalt der Siedlungsgemeinschaften, Sippen oder Großfamilien, die in der Lage waren, derartige Monumente zu errichten. |
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Nach einer historisch kurzen Zeitspanne von etwa sieben Menschengenerationen wurden die in den Großsteingräbern noch verbliebenen Hohlräume mit Erde und Rollsteinen zugefüllt. Neue Megalithanlagen wurden nicht errichtet. Man ging zu anderen Bestattungssitten über. Die "Kugelamphorenleute" nutzten die vorhandenen Gräber und bestatteten ihre Verstorbenen ebenfalls darin (H. Keiling 1986). In diesem Zusammenhang wurden nicht selten die älteren Bestattungen gestört oder gar ausgeräumt. Nachbestattungen wurden im späten Neolithikum nur noch in den Einfüllschichten der Großsteingräber vorgenommen. |
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