Kurzer Abriss der Waldentwicklung nach der Eiszeit

 
 
Die Eisbedeckung durch den Inlandeisgletscher betrug zur Weichsel- Kaltzeit nach Bertsch in Nordeuropa  etwa 3 300 000 km². Bei einer maximalen Eisdecke bis 3 500 Meter in Skandinavien waren auch die höchsten skandinavischen Gebirge mit einer Eisdecke von etwa 1 000 Meter bedeckt.
Die Eisbedeckung in den Alpen wird mit 120 000 km² angegeben. Sie füllten die Täler  bis 1500 m über NN, d. h. viele Gipfel  der Alpen blieben eisfrei.
Am Rande des Gletschers herrschte  in Mitteleuropa Tundra. Sie war Hauptträger des pflanzlichen und tierischen Lebens auch nach dem Rückzug des Eises für die Zeit von etwa 15 000 bis 12 000 vor heute.  Subarktische Wälder aus Birke und Kiefer lösten in der älteren Kiefernzeit die Tundra und Lößsteppe ab. Für unser Gebiet weist K. Bertsch für diese Zeit folgende Verteilung aus:
Für die Vergletscherung der Alpen konnte nachgewiesen werden, dass nach dem Rückzug des Gletschers sich zu erst die Bergkiefer  und erst später die Weißbirke  ansiedelten. Danach fassten die Waldkiefer und noch später der Haselstrauch Fuß, der dann stellenweise 60 % des gesamten Blütenstaubes ausmachte. Es folgte der Eichenmischwald mit Eiche, Ulme und Linde. Als letzte bestandesbildende Baumart wanderte die Wärme liebende Buche nach Norden.
Für die Birke werden, nach der Zwergbirke(Betula nana)  zwei Arten, die Haar- und Warzenbirke (Betula pubescens  und Betulaverrucosa) und für die Kiefer die Wald- und die Bergkiefer (Pinus silvestris und Pinus montana) nachgewiesen.
Die Geschwindigkeit der Verbreitung der Gemeinen Birke
(Betula verrucosa) wird mit 30 km in einem Jahrhundert angenommen. So konnte nach Gross die gemeine Birke östlich der unteren Weichsel erst für 12 000 v. u. Ztr. nachgewiesen werden, während sie am Bodensee schon 5 000 Jahre vorher anzutreffen war.
In der jüngeren Kiefernzeit von 9 000 – 6 000 Jahre vor heute kommt es in Nordostbrandenburg zu einer weiten Verbreitung der Kiefer. Die Bergkiefer (Pinus montana) hatte bei ihrer Verbreitung nur einen kurzen Wanderweg zu überwinden, so dass sie gegenüber der Waldkiefer ( Pinus silvestris) schneller nördlich der Alpen Fuß fassen konnte.
Die Hasel (Corylus avellana) ist nach dem Ende der Weichsel-Kaltzeit vermutlich aus Südwesteuropa wieder nach Mitteleuropa eingewandert. Ihr Gipfel der Verbreitung wird um 6 300 v. u. Ztr. gesehen.

Die Grafik zeigt die Verbreitung der Kiefer vom Stettiner Haff bis südlich der Oder während der Kiefernzeit. Ein Punkt stellt die Häufigkeit von  51-100 % dar.

Erst in der Zeit um 8 000 Jahre vor heute, zur Zeit der Mittelsteinzeit, verbreitete sich zunehmend auch im Nordosten Brandenburgs  der Haselstrauch.  Der Gipfel der Haselzeit wird für Skandinavien in der Zeit 5 500 v. u. Ztr. angenommen. Etwas eher liegt die Spitze der Haselzeit in der Mark Brandenburg. Sie liegt um 500 v. u. Ztr.  Etwa 1 000 Jahre benötigte die Verbreitung der Hasel nach Norden, dem zurückschmelzenden Gletscher folgend. Es wird angenommen, dass  der Haselstrauch seine Verbreitung auch durch den Menschen erfuhr. In der heutigen Zeit ist die Verbreitung des Haselstrauches wieder zurückgegangen. Sie liegt derzeit nur noch an der Küste Norwegens, im Süden Finnlands  und in Südschweden, sowie an der dänischen, deutschen  polnischen und baltischen Ostseeküste.


Die Grafik zeigt einen Ausschnitt der Ausbreitung der Hasel von Südschweden, Dänemark bis in den Oderraum und ins südliche Brandenburg.
Die schwarzen Kreise  betreffen das Gebiet in der mittleren Steinzeit (1-25%, 25-50%, 51-75%, 76-100%) Schwarz-weiße Kreise markieren das Gebiet der Haselverbreitung in der jüngeren Steinzeit. (Nach einer Karte von Erdtman).


Die Eichenmischwaldzeit mit Eiche, Ulme und Linde fällt zeitlich schon in die jüngere Steinzeit. Es sind zu jener Zeit, neben großen Kiefernanteilen, die vorherrschenden Holzarten. Neu hinzugekommen sind aber auch Tanne und Rot- und Hainbuche, Erle  sowie Wildobst. Die Buche nimmt erst in der Bronzezeit die erste Stelle ein.  Die Einwanderung der Buche erfolgte von Süden in unser Gebiet. Zum Ende der Bronzezeit erreicht die Ausbreitung der Buche bei uns ihre östliche Grenze. 
Blütenstaub der Linde konnte schon für die Kiefernzeit nachgewiesen werden. Man spricht auch beim Eichenmischwald von einer west-östlichen Einwanderung dieser Holzarten.
Von den genannten Holzarten fand die Bergulme auf Grund ihrer geringen Ansprüche und der leichten Samen die weiteste Verbreitung nach Norden.
Die Untersuchungen zur Geschichte des Waldes erfolgen in enger Verbindung  von Blütenstaubbestimmungen und Vorgeschichtsforschung. Sie begann in Mooren, Torf- und Seebildungen insbesondere in Süddeutschland. Das Erscheinen der verschiedenen Baumarten  in bestimmten Gegenden  hängt vom jeweiligen Standort, von der Art des Samens, vom  Mannbarkeitsalter der Baumart  und der Lage des Rückzugsstandortes ab.
 
Neben diesen über Polenanalysen ermittelten Waldzusammensetzungen sind Zitterpappel (Populus tremula) über Holzreste  bis in die Zeit um 12 000 vor heute  nachweisbar.
Holzfunde südlich unseres Gebietes belegen zur Kiefernzeit schon das Vorkommen von Traubenkirsche ( Prunus padus). Aus Süddeutschland sind zu dieser Zeit  Funde  des Paradiesapfels (Malus paradisiaca), der Holzapfel (Malus acerba), die Wildkirsche (Prunus avium) und etwas seltener auch die Wildbirne nachgewiesen. / H. Domnick
 
Literatur: Geschichte des deutschen Waldes  3. Auflage von Dr. Karl Bertsch . Gustav- Fischer-Verlag, Jena



Der Nordosten Brandenburgs -
Kreuzweg der Pflanzen und Vegetationsformen

Durch die geologische und geomorphologische Vielfalt der Bodendecke wurde das Gebiet in Verbindung mit verschiedenen Klimaeinflüssen zu einem Kreuzweg der Pflanzen und Vegetationsformen. Im Nord- und Westteil würden von Natur aus westliche (subozeanische) Buchenwälder das Landschaftsbild beherrschen. Heute sind sie nur noch in Resten erhalten, z. B. im Bereich der Endmoräne um Chorin, im Grumsiner Forst und bei Lüttenhagen, südwestlich von Feldberg, sind ihre stattlichen, hallenartigen Bestände noch auf größeren Flächen vertreten. In ihrer Bodenflora finden wir neben Waldmeister, Einblütigem Perlgras, Sauerklee noch weitere aus dem westlichen Bergland einstrahlende Pflanzen wie Waldgerste, Waldschwingel, auch Bergahorn und Eibe (bei Chorin) gehören hierzu. Dieser subozeanische Floreneinfluß wird in den Niederungswäldern noch durch das gelegentliche Vorkommen von Königsfarn unterstrichen.

Ein nordischer Einfluß in der Pflanzenwelt kommt vor allem auf den zahlreichen Kesselmooren zum Ausdruck, die in den niederschlagsreicheren Endmoränen in einmaliger Schönheit und Anzahl erhalten sind. Zwergbirke, Schneidiges Wollgras, Sumpfporst, Sonnentau, Rosmarinheide, Trunkelbeere, Moosbeere u. a. sind in den lichten Kiefern- und Birkenhölzern oder auf freien Moorflächen anzutreffen. In den Randzonen gesellt sich Sprossender Bärlapp hinzu. Ärmere Sand-Buchenwälder des Gebietes enthalten Siebenstern und - auf natürliche Weise - die Waldkiefer als nördliche bis nordöstliche Florenelemente.

In dem niederschlagsärmeren und sommerwärmeren Ostteil des Gebietes treffen wir dagegen eine ganze Reihe von Pflanzen, die in südlichen und südöstlichen Vegetationsformen ihre Heimat haben. Aus den mediterran geprägten südlichen Regionen erreicht das Gebiet in Odernähe die Elsbeere, der Backenklee, das Wohlriechende Veilchen und das Waldvöglein.


Adonisröschen / W. Ebert

Aus den östlichen Steppen- und Waldstep- pengebieten finden sich ursprünglich auf lichte Wälder des Gebietes begrenzt und heute in Halbtrockenrasen und Steppen vertreten - Adonis-Röschen, Waldanemone, Haar-Federgras, Niedrige Segge, Petersilien-Haarstrang, Wiesen-Kuhschelle u. a. ein. Auf den odernahen Grundmoränen um Gellmers- dorf, Parstein bis Groß Ziethen sind Eichen-Winterlinden-Hainbuchenwälder die natür- lich-potentielle Vegetation. Diese aus den osteuropäischen Waldregionen in unser Gebiet einstrahlende Waldform bildet das Gegenstück zum westlichen Buchenwald der niederschlagsreicheren Landesteile. Agrarische Nutzung hat ihr Areal stark schrumpfen lassen. In der odernahen kaltzeitlichen Erosionslandschaft um Gellmersdorf sind noch urwüchsige Reste erhalten, in denen gemäßigt kontinentale Pflanzenarten wie Kassubische Wicke, Schwarzwerdende Platterbse, Pfirsig- blättrige Glockenblume, Wunderveilchen, Zwerg-Lerchensporn auftreten und Leberblümchen sowie Maiglöckchen Massenentfaltung erreichen.

In diesen östlichen Gebietsteilen geben teilweise noch gut erhaltene vielgestaltige Feldgehölze und Gebüsche mit einer bunten Artenfülle (Schwarzdorn, Kreuzdorn, Hartriegel, Wildobst) dem Ackerland ein belebendes Strukturelement.

Die vielen in die Landschaft eingestreuten fließenden und stehenden Gewässer sind reich an sehenswerten Pflanzenarten. Von Armleuchter-Rasen am Seegrund über Schwimmblattregionen mit Seerosen bis zu dichten Rohr- und Schilfbeständen am Seerand reicht hier die Breite der Strukturformen.

Unverkennbar ist auch der lange wirtschaftliche Einfluß des Menschen auf die Struktur und Arten von Flora und Vegetation. Großflächige Rodungen brachten viele Wildgräser und Wildkräuter der Äcker zur Entfaltung. Künstlicher Anbau von Baumarten veränderte im Walde das natürliche Laubwaldbild in großflächig kiefernreiche Nadelbaumforsten. Die Einführung vieler nordamerikanischer (Douglasie, Küstentanne, Weymouthskiefer, Robinie), ostasiatischer (Gingko, Lebensbaum) oder kaukasischer Baumarten (Nordmannstanne, Orientfichte) bereicherte besonders um Chorin die Baumartenzusammensetzung der Wälder. Hier wachsen viele dieser fremdländischen Baumarten in wissenschaftlichen Versuchs- anbauten.

© Prof. Dr. G. Hofmann, 2000