An der Grenze zwischen Brandenburg und Pommern, am Oderübergang der Handelsstraße Berlin - Stettin gelegen, wurde Gartz 1249 gegründet. 1258 erhielt es Stadtrecht und 1271 Niederlagerecht. 1305 entstand hier eine Oderbrücke. 1314 wurde die Stadt Hansemitglied und war bis in das 17. Jahrhundert bestimmt von Schifffahrt und Durchgangshandel. Dieser Ort entwickelte sich somit in kurzer Zeit zu einem strategisch bedeutsamen Knotenpunkt, der für unterschiedliche klerikale und weltliche Interessen begehrlich wurde.
Herzog Barnim I. von Pommern, mit Sitz in Stettin oder aber seine dritte Ehefrau Mechtilde, die ihren Witwensitz nach dem Tod ihres Gatten 1278 in Gartz bezog, gründeten vermutlich zwischen 1275 und 1280 ein Kloster der Zisterzienserinnen in Gartz Gleichzeitige Klostergründungen östlich der Oder in Kolberg (Kolobrzeg), Köslin (Koszalin) oder Zehden (Cedynia) bestärken die Annahme dieses Zeitpunktes der Stiftung in Gartz. Eine erste Urkunde stammt erst von 1280. Darin bestätigte der Bischof von Kammin, Hermann von Gleichen, dass das Marienstift von Stettin dem Gartzer Nonnenkloster die Stephanskirche in Gartz abzutreten habe. Diese Kirche gehörte seit 1261 dem Stettiner Marienstift. Obwohl der Frauenkonvent von Gartz rechtlich selbstständig war, verfügte das Marienstift de facto über die Nonnen. Bei der Neuwahl eines Probstes mussten Probst und Dekan von Stettin hinzugezogen werden. Mit dem bischöflichen Entscheid erlangten die Gartzer Frauen zumindest das Recht auf ihre Kirche. Wahrscheinlich nutzten sie ab dem 14. Jahrhundert diese Pfarrkirche St. Stephan auch als Klosterkirche. Sie brannte während der heftigen Kämpfe an der Oder im 2. Weltkrieg aus, wurde aber in einem Teil wieder aufgebaut; auch der Turm ist wieder zu besteigen.
Über die Geschichte des Frauenkonventes in Gartz gibt es nur wenige und teilweise widersprüchliche Informationen. In der
Literatur wurde lange Zeit angenommen, dass es sich um ein Kloster der Augustiner-Chorfrauen gehandelt habe. Diese
Auffassung hat sich als irrig erwiesen. Sie beruhte auf einer Verwechslung mit dem Kloster der Augustiner-Eremiten
von nebenan. Die Gartzer Frauen lebten vermutlich nach den Regeln der Zisterzienser. Diese Annahme wird dadurch unterstützt,
dass sie 1296 an der Gründung eines Zisterzienserinnenklosters in Reetz (Recz) in der Neumark beteiligt waren.
Der Frauenkonvent stand unter der Leitung einer Äbtissin. Die Nonnen lebten in Klausur und Chorgebet, übten Lehrtätigkeit
und Krankenpflege aus. Über die Herkunft der Konventualinnen gibt es die Vermutung, dass sie aus pommerschen Adelsfamilien
stammen könnten, so derer von Wedel, von Güntersberg oder von Liebenow.
Die Zisterzienserinnen von Gartz besaßen das Patronatsrecht für die Stephanskirche mit deren Einkünften, einschließlich
der Kirchenhufen im Gartzer Stadtfeld. 1280 übernahmen sie die Kapelle des Gartzer Heiliggeisthospitals. 1281 erhielten sie
das Patronat über die Kirche in Kunow (heute Ortsteil von Schwedt) und etwas später über die Kirche in Schönfeld.
Vom Kloster ist heute nichts erhalten - es brannte während eines großen Stadtbrandes völlig ab und wurde nicht wieder aufgebaut.
Sein ehemaliger Standort ist ungewiss.
Die Klosterfrauen standen bei der Bevölkerung in hohem Ansehen. Davon zeugt die Absicht der pommerschen Landstände, auch nach der Reformation das Kloster als evangelisches Damenstift wieder einzurichten. Ihre Bemühungen blieben erfolglos.
© Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2009
Spezielle Literatur: