Franziskanerkloster Prenzlau

Das Prenzlauer Kloster der Franziskaner als Bettelorden wurde auch "Graues Kloster" genannt oder Kloster der "Barfüsser" oder "Minderbrüder". Es lag am nordwestlichen Rand der Altstadt und wurde auf dem Gelände einer ehemaligen slawischen Siedlung errichtet. Die Konventsgebäude gingen bis an die Stadtmauer.
Die Franziskaner ließen sich frühzeitig in Prenzlau nieder - vermutlich bereits zwischen 1240 und 1250. Die Stadt hatte sich bereits zu einer beachtlichen Ansiedlung entwickelt. 1234 bediente sich der pommersche Herzog Barnim I. der Stadtgründung zum Ausbau seiner Landesherrschaft und verlieh das Magdeburger Recht. Die Stifter des Klosters sind unbekannt. Bereits 1253 soll der Kamminer Bischof Wilhelm hier beigesetzt worden sein. Die Kirchenweihe erfolgte jedoch erst 1270. Heute ist von der Klosteranlage nur noch die ehemalige Klosterkirche erhalten.

Die Franziskaner hatten ihr Zentrum in Italien und gehen zurück auf die Laiengemeinschaft des Franziskus von Assisi (1182 - 1226). Durch gelebte Ideale wirkten sie überzeugend und zogen viele Menschen in ihren Bann. Ihre Anhänger kamen aus dem frühstädtischen Bürgertum. Sie folgten dem urchristlichen Askese- und Armutsideal wie ehemals die Apostel. Absolute Besitzlosigkeit, Selbstaufgabe und Solidarität waren ihr Anliegen. Franziskus von Assisi pries die Güte des Herrn in jeglichen seiner Geschöpfe, und jeder Einzelne und die Gemeinschaft konnten daran teilhaftig werden. Bekannt ist sein Lied "Sonnengesang":

" Gelobt seist Du, Herr, mit allen Deinen Geschöpfen,
besonders dem Herrn Bruder Sonne.
Die Sonne erschafft den Tag, und leuchtest uns durch
sie,
und sie ist schön und strahlend in großem Glanze.
Von Dir, Herr, trägt sie die Prägung."

Diese Weltsicht fand Anklang besonders bei ärmeren Schichten, da sie nicht auf Überirdisches, sondern auf irdische Erscheinungen gerichtet war.

Der Klerus brauchte den Orden im Hochmittelalter, um ärmere Volksschichten zu gewinnen und sie von Bewegungen "Abtrünniger" abzuhalten, die eine neue Kirchenorganisation jenseits vom Prunk der Papstkirche anstrebten. Der Franziskanerorden wurde ein wichtiges Instrument der Machtpolitik der katholischen Kirche, so auch in Prenzlau.
Das bürgerliche Gemeinwesen der Stadt differenzierte sich im Verlaufe der Entwicklung: reiche Kaufleute hatten das Sagen; auch die Handwerker erhoben Ansprüche auf Mitspracherechte, wobei die Gewerbe unterschiedlich begütert waren. Neben den Wohlhabenden der Stadt gab es am Stadtrand auch Armenviertel, deren Anwohner andere Interessen, nämlich die der nackten Lebenserhaltung besaßen. Diesen wandten sich die Franziskaner zu und lebten unter den Armen und mit ihnen, also nicht wie andere Orden in strenger Klausur. Sie hatten sich der Predigt des Evangeliums, der Seelsorge und caritativen Tätigkeiten verschrieben. Ihre Kirche war offen für jedermann; auch im Freien wurde gepredigt - der südlich von der Klosterkirche in Prenzlau gelegene Platz dürfte dafür genutzt worden sein. Der Konvent war nicht sehr groß - geschätzt wurden 1543 etwa 12 Konventualen. Sie wurden von einem Guardian geleitet. Gegenüber dem Kloster gab es zwei Armenhäuser, deren Insassen vermutlich von den Mönchen betreut wurden.
Als Bettelorden betrieben die Franziskaner keine nennenswerten Eigenwirtschaften. Ihre Haupteinkünfte kamen aus Almosen und Entgelte für seelsorgerische Leistungen in ihrem Termineibezirk (Einzugsgebiet), der vermutlich nördlich von Angermünde lag. Auch Stiftungen und Schenkungen lassen sich zwischen 1346 und 1514 nachweisen, ebenso einige wenige Zinserträge.


Klosterkirche der Franziskaner in Prenzlau
Foto: W. Ebert

Die Klosterkirche hatte die Funktion des "bergenden Hauses" und diente der Versammlung zum Gottesdienst. Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit waren ihre Merkmale. In den
"Generalkonstitutionen des Minderbrüderordens" von 1260 in Narbonne wurde festgelegt: "Weil aber die Erlesenheit und der Überfluss direkt der Armut entgegenstehen, ordnen wir an, dass die Erlesenheit der Gebäude an Malereien, Tabernakeln, Fenstern und Säulen und dergleichen, ebenso das Übermäßige an Länge, Breite und Höhe möglichst streng vermieden werden ... Die Kirchen sollen in keiner Weise gewölbt werden, mit Ausnahme des Presbyteriums. Im Übrigen soll der Campanile der Kirche nirgends nach Art des Turmes errichtet werden; ferner sollen die Glasfenster weder mit Historien noch mit Bildern bemalt werden mit der Ausnahme, dass im Hauptfenster hinter dem Hochaltar Abbildungen des Kruzifixus, der Heiligen Jungfrau, der Heiligen Johannes, Franziskus und Antonius gestattet sind; und wenn weitere gemalt worden sind, so sollen sie durch die Visitatoren entfernt werden".

Die Prenzlauer Franziskanerkirche aus dem 13. Jahrhundert ist wohl die älteste Franziskanerkirche in der Mark Brandenburg. Das langgestreckte Schiff aus Feldsteinen ist in fünf quadratische Joche unterteilt; jedes Wandfeld wird durch eine gestaffelte Dreifenstergruppe durchbrochen. Das Gewölbe wird durch kräftige Halbsäulen mit Trapezkapitellen getragen. Die Einwölbung der gesamten Kirche widersprach den Bauregeln von Narbonne. Auch wenn die Wölbung wohl erst im 14. Jahrhundert vollzogen wurde, war sie von Anbeginn beabsichtigt. Ob dies wohl dem Repräsentationsbedürfnis der Prenzlauer Bürger für ihre Kirchen entsprach?
1846/1865 wurde die Kirche renoviert, mit einer Schaufassade im Ostgiebel und einem Glockenturm versehen. Auch erfolgte der Einbau eines neugotischen Lettners.

Wohl um 1440 entstand am Kloster ein Provinzstudium, das jedoch wohl schon nach einem Jahr wieder aufgelöst wurde wegen mangelnder Finanzen. Bekannt ist, dass der Franziskaner Herman Etzen (ca. 1420 - nach 1465) hier kurzzeitig als Lektor für Philosophie wirkte. Danach ging er als Lektor nach Halberstadt, Magdeburg und Erfurt. Er vertrat die von der scotistischen Philosophie beeinflussten Lehren des Engländers Walter Burleigh. Der Scotismus war als Theologie für die Franziskaner bedeutsam - wie es Thomas von Aquin für die Dominikaner war. Im Visitationsbericht von 1543 erfolgte eine summarische Aufzählung, wonach diverse Bibeln, Evangelien und Bücher für die Liturgie vorhanden waren, aber auch scholastische, historische und philosophische Bücher, darunter die "opera" des Duns Scotus. Die sicherlich reichhaltige Klosterbibliothek, wie sie für ein Provinzstudium zu erwarten ist, war jedoch bereits vor der Reformation stark reduziert.

Im Unterschied zu den Franziskanern in Angermünde ist nichts darüber bekannt, dass die Prenzlauer Mönche an Inquisitionsverfahren beteiligt gewesen wären.
1509 schloss sich der Konvent der gemäßigten Observanzbewegung an - auch im Gegensatz zum Angermünder Konvent, der als Einziger in der Region der strengen Observanz angehörte.

Zwischen 1536 und 1543 löste sich das Kloster aufgrund schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse selbst auf. 1544 erfolgte die Vergabe des Klosterbesitzes als Lehen an Zacharias von Grüneberg, dem Statthalter von Küstrin. Danach wechselten die Besitzer mehrfach, bis 1581 Berndt von Arnim, Hauptmann von Gramzow und Chorin, das Kloster kaufte und die Kirche renovieren ließ. Als evangelische Kirche wurde sie 1598 erneut geweiht und in "Dreifaltigkeitskirche" umbenannt. 1694 wurde sie der vereinten deutsch-französischen reformierten Gemeinde übergeben.

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Spezielle Literatur:

© Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2009