Dominikanerkloster Prenzlau

Obwohl in der Stadt Prenzlau bereits 2 Klöster beheimatet waren, drängten die askanischen Landesherren jahrelang darauf, ein Kloster der Dominikaner zu gründen. Dieser Bitte wurde jedoch erst 1275 vom Generalkapitel dieses Ordens stattgegeben. Markgraf Johann II. und seine Frau Hedwig von Werle gelten als Stifter des neuen Konvents. Prenzlau hatte sich in kurzer Zeit zu einem wirtschaftlichen und politischen Zentrum entwickelt, begünstigt durch seine Lage am Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen.1268 wurde es Mitglied des starken Städtebundes der Hanse. Als geistiges Zentrum der Kaufleute und reicher Handwerker sollten die Dominikaner das Gegengewicht zu den im Armenviertel wirkenden Franziskanern bilden.

Die Dominikaner besaßen als Bettelorden bereits gefestigte Positionen. 1215 gründete der spanische Geistliche Dominikus Guzmann von Caleruega (1170 - 1221) in Toulouse diesen Orden der Predigtbrüder, der bereits 1216 vom Papst anerkannt wurde. Die Priestermönche sollten die Stadtbürger auf dem "rechten Weg", dem katholischen Glauben, halten. In den Städten verhalfen sie der Papstkirche vornehmlich unter den Reichen und Gebildeten viele Anhänger. Sie absolvierten ein gründliches Studium der Theologie und prägten Lehre und Seelsorge in vielen Städten Europas. Die Dominikaner beherrschten die Universitäten. Sie brachten berühmte Geisteswissenschaftler wie Albert Magnus und Thomas von Aquin hervor. Für die Dominikanerklöster in der Region Berlin-Brandenburg wurde das Dominikanerkloster zu Berlin-Köln als Bildungszentrum wirksam. In seiner theologischen Ordensschule erhielten die Prediger eine gediegene Ausbildung.

Die Klosteranlage der Dominikaner wurde am südlichen Stadtrand von Prenzlau auf dem Gelände des früheren markgräflichen Hofes errichtet. Sie liegt nahe der Stadtmauer etwas erhöht über dem Uckersee.

Dominikanerkloster Prenzlau - Blick auf die Klosteranlage , Foto: W. Ebert

Das Kloster wurde auch "Schwarzes Kloster" genannt, da der Mantel der Mönche schwarz war, getragen über einem weißen Gewand. Die Mönche kamen vornehmlich aus bürgerlichen Familien der Stadt Prenzlaus und den Städten der Umgebung. Namentlich belegt sind 14 Mitglieder für das Jahr 1513. Die Größe der Anlage lässt jedoch eine weit größere Anzahl annehmen. Welche Rolle das Prenzlauer Kloster im Rahmen des Ordens spielte, lässt sich nur erahnen. Ein Blick auf die recht monumentale Gesamtanlage des Konvents lässt den Schluss zu, dass es im Mittelalter für den Nordosten Brandenburgs das geistige Zentrum war. 1311, 1368 und 1488 tagte hier nicht zufällig das Provinzialkapitel. Ähnlich wie das Dominikanerkloster in Strausberg könnte es auch als Begegnungszentrum politischer Kräfte gedient haben.
Eine wissenschaftliche Arbeit, wie in anderen Dominikanerklöstern typisch, ist für Prenzlau dokumentarisch nicht belegt, aber anzunehmen. Die erhalten gebliebene Namensliste der Lektoren bezeugt, dass auch hier Studien betrieben wurden: 1304 ist Johannes von Kerkowe, der vorher in Bologna studierte, als Lektor benannt, um 1377 werden zwei weitere Prenzlauer Lektoren aufgeführt, die ebenfalls vorher studierten, im 15. Jahrhundert wirkten hier die Theologen Johannes Lange und Heinrich Molmerstorp. 1432 war hier ein Jakob Tolner als Lektor tätig - von ihm ist in der Universitätsbibliothek Hamburg eine Sammelschrift erhalten. Der letzte Prior war 1506 an der Universität in Frankfurt/Oder immatrikuliert. Wahrscheinlich konnten Studenten aus anderen Klöstern der Provinz hierher kommen, wo ihnen Lektoren und eine Klosterbibliothek mit philosophisch-theologischen Büchern zur Verfügung standen. Im Buchbestand fanden sich auch Schriften des Thomas von Aquin, dem Begründer des größten philosophischen Systems des Mittelalters.
Andernorts in Europa gehörte die Ketzerverfolgung von Anbeginn zum Programm der Dominikaner. Welche Rolle das Dominikanerkloster Prenzlau während der Inquisition spielte, ist bisher wenig bekannt. Fakt ist, dass im Klosterarchiv die Protokolle des großen Inquisitionsverfahrens gegen die Waldenser in Stettin aus den Jahren 1392 - 94 hinterlegt wurden. Der Prozess fand unter der Leitung des Cölestiner - Provinzials Peter Zwicker statt.

Als Bettelorden besaßen die Dominikaner nur wenig Grundbesitz außerhalb des Klosters, so zeitweilig einen Hof in Kerkow. Außergewöhnlich ist der Besitz von einigen Häusern und Gärten in Prenzlau; auch Kreditvergabe ist angezeigt. Der Konvent bezog seine Einkünfte vornehmlich aus Memorialstiftungen (Totengedenken) und Spenden. In der Kirche ist die Grablege des Hermann von Jagow, landesherrlicher Schultheiß von Prenzlau, und dem Prenzlauer Priester Mathias Schapow verbrieft.

Die gesamte Klosteranlage stellt einen machtvollen Baukörper im Stadtbild von Prenzlau dar und ist von allen acht Dominikanerklöstern Brandenburgs die größte, noch fast komplette und wohl am besten erhaltene Anlage. Sie ist nicht nur ein herausragendes Bauwerk gotischer Backsteinkunst Norddeutschlands, sondern zeigt auch anschaulich die traditionelle monastische Raumstruktur. Das achtjochige Refektorium mit seinen Stützpfeilern und frühgotischen Kapitellen ist der schmuckreichste Raum. Spätmittelalterliche Secco-Malereien von 1516 stellen Passions-Szenen dar. Im Gesimsband sind Darstellungen des Dominikus als Ordensgründer und des Thomas von Aquin zu erkennen. Der umlaufende Kreuzgang mit seinen Kreuzrippengewölben rund um den Klosterfriedgarten dient heute musealen Zwecken. Besonders beliebt sind die Konzerte im Friedgarten.

Kreuzgang im Dominikanerkloster Prenzlau,
Foto: W. Ebert

Mit dem Bau der Kirche wurde 1275 begonnen, und um 1343 wurde sie geweiht. Es entstand eine dreischiffige frühgotische Hallenkirche aus Backstein mit Kreuzrippengewölbe und einem Chorpolygon. Der Ostgiebel ist mit Blendnischen geschmückt. Hohe Lanzettenfenster zwischen den Strebepfeilern belichten den Innenraum. Gebaut wurde in drei Phasen: im ersten Bauabschnitt wurden der Chor und drei Joche des Langhauses sowie die Sakristei errichtet; in der zweiten Phase wurde das Langhaus um zwei Joche erweitert; und in der dritten Phase entstanden ein weiteres Kirchenjoch und das reich gestaltete zweitürige Nordportal mit mehrfach gestuften Gewänden.

Die Reformation verlief weitgehend friedlich. Ein öffentlicher Schlagabtausch wie beispielsweise in Jüterbog mit Luther und Münzer fand in Prenzlau nicht statt. Ein gewisser Bartholomäus Martini, der an der Universität Frankfurt/Oder studierte und vermutlich identisch ist mit dem letzten Prior des Dominikanerklosters, Bartholomäus Merten, soll 1524 in Stralsund heftig gegen das Luthertum gepredigt haben - er konnte nur mit Mühe dem Tod entgehen.
1544 übereignete Kurfürst Joachim II. der Stadt Prenzlau das Kloster für ein Armenhospital. Da die alte Prenzlauer Nikolaikirche einstürzte, wurde die Klosterkirche 1577 zur Pfarrkirche St. Nikolai umfunktioniert. Sie besitzt einen Renaissance-Altar von 1512, der aus der Marienkirche ausgelagert wurde.


Dominikanerkloster Prenzlau -
Einlassung im Fußboden unter Glas
Foto: H. Domnick

Obwohl der zweite Weltkrieg die Stadt Prenzlau zu fast 90 % zerstörte, blieb das Dominikanerkloster weitgehend erhalten. 1999 konnten umfangreiche Sanierungsmaß-nahmen des Klausurbereiches abgeschlossen werden - ein Meisterstück der Restauration! Das Projekt wurde zu Recht mit dem Brandenburgischen Architekturpreis ausgezeichnet.

Nunmehr befindet sich hier das Kulturhistorische Museum, das eindrucksvoll Sachzeugen mittelalterlicher Kulturgeschichte im Einklang mit den klösterlichen Raumstrukturen vorstellt.

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Spezielle Literatur:

© Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2009