Mittelalterliche Klöster im Gebiet der Märkischen Eiszeitstraße

Vorwort | Klostergründungen | Politische Funktionen | Wirtschaftliche Funktionen | Kulturelle Funktionen | Besonderheiten der Nonnenklöster | Backsteingotik und Ordensregeln | Klosterbauhütten und Backstein als Baumaterial | Niedergang der Klöster und Reformation |


Besonderheiten der Nonnenklöster

Auf dem Barnim und in der Uckermark gab es eine beachtliche Anzahl von Frauenkonventen, die freiwillig nach den Regeln der Zisterzienser lebten, so in Altfriedland, Boitzenburg, Seehausen, Zehdenick und Gartz. Sie waren n i c h t in diesen Orden inkorporiert, also rechtlich nicht verpflichtet, sondern unterstanden der Aufsicht der für die Diözese zuständigen Bischöfe.
In Prenzlau hatten sich die Magdalenerinnen/ Benediktinerinnen niedergelassen. In Flieth befand sich kurzzeitig ein Kloster der Benediktinerinnen. Zu nennen sind noch die Beginen in Angermünde und Prenzlau, die ohne Gelübde und Klosterregeln in freier Lebensgemeinschaft auf Beginenhöfen lebten.
Die Frauenklöster lagen zumeist auf einer Anhöhe in der Nähe einer Stadt oder eines Dorfes. So wurde das Kloster der Magdalenerinnen/ Benediktinerinnen unmittelbar vor der Stadt Prenzlau erbaut, und das Nonnenkloster Zehdenick lag unweit vom Schloss. Zumeist hatten die Frauenstifte eigene Kirchen. Nennenswert ist in Prenzlau die Kirche St. Sabini, die den Magdalenerinnen/Benediktinerinnen zugewiesen wurde. Die Nonnen in Altfriedland bauten eine eigene Klosterkirche - sie wird heute als evangelische Pfarrkirche genutzt. Von anderen Klosterkirchen existieren nur noch Ruinen, so in Boitzenburg oder Zehdenick. Einige Klostergebäude von Zehdenick sind noch in Betrieb, so die "Klosterscheune" als Galerie. Andere Nonnenklöster existieren nicht mehr. Kloster Seehausen ist völlig verschwunden, aber umfangreiche archäologische Untersuchungen haben es nachgewiesen. Von den Frauenkonventen in Gartz und Flieth gibt es nur spärliche Nachrichten.

Ein wichtiges Anliegen der Nonnenklöster bestand darin, unverheiratete Töchter des Adels und später auch des reichen Bürgertums standesgemäß zu versorgen. Aus dieser sozialen Funktion ist jedoch nicht zu schließen, sie seien völlig "unpolitisch" gewesen. Warum sonst wurden sie im Interesse verschiedener gesellschaftlicher Kräfte gefördert: von den Landesherren, den Bischöfen und besonders vom aufstrebenden Territorialadel?
Gestiftet wurden die Frauenkonvente der Region mehrheitlich durch die Landesherren. Die Gründungen in Prenzlau und Gartz gehen zurück auf die Pommernherzöge. Andere standen unter dem maßgeblichen Einfluss der askanischen Markgrafen, so die Klöster Altfriedland, Zehdenick und Boitzenburg. Teilweise wurden sie von den Landesherren mit erstaunlichen Privilegien ausgestattet. Kurz vor der Übernahme der Uckermark durch die Askanier schenkte der Pommernherzog dem Konvent der Magdalenerinnen in Prenzlau das Patronat über die vier großen Kirchen der Stadt Prenzlau: die Pfarrkirche St. Marien mit ihren Filialkirchen St. Nikolai, St. Jakobi und St. Sabini. Dadurch blieb das Nonnenkloster auf lange Sicht dem Pommernherzog verpflichtet, auch nachdem die Uckermark brandenburgisch wurde. 1320 wurden die vier Kirchen diesem Kloster inkorpiert, also d i r e k t unterstellt. Der Frauenkonvent, der inzwischen nach den Regeln der Benediktiner lebte, erhielt somit nicht nur alle Einnahmen dieser Kirchen, sondern bestimmenden Einfluss auf die sakralen Strukturen und die sozialen Beziehungen der Stadt Prenzlau.


St. Sabinen in Prenzlau, ehemalige Klosterkirche der Magdalenerinnen/Benediktinerinnen.
Foto: H. Domnick

Frühzeitig äußerte sich das besondere Interesse des ortsansässigen Adels an den Frauenklöstern. Wahrscheinlich erfolgte die Gründung des Nonnenklosters Seehausen durch den in der Uckermark ansässigen Ritter von Blankenburg um 1250. Der Ritter von Stegelitz wurde auf seinem Lehen als Gründer des Klosters der Benediktinerinnen bei Flieth wirksam. Er scheiterte, da die askanischen Landesherren die Anlage von Klöstern durch lehenspflichtige Adlige nicht duldeten.Dennoch gewann der Territorialadel in der Folgezeit dominanten Einfluss auf die Frauenstifte durch Schenkungen von Landbesitz oder durch die Verpfändung von Zollrechten und Hebungen. Die Töchter steuerten ihrerseits die Vergabe des ihnen zustehenden Erbes an das Kloster bei. So liegen urkundlich bestätigte Besitzzuweisungen an das Kloster Seehausen von den Rittern von Lenz, von Blankenburg, von Grünow und von Biesenbrow vor und später auch von reichen Stadtbürgern Prenzlaus. Teilweise übten Adlige der Gegend als Prioren direkten Einfluss auf die Abteien aus, so auf das Benediktinerinnenkloster in Prenzlau oder das Kloster der Zisterzienserinnen in Seehausen. Anders in Boitzenburg: die Familie des Burgherren hatte keine leitende Stellung im Kloster. Die Urkunden weisen vielmehr auf eine wirtschaftliche Verflechtung des lokalen Adels mit dem Nonnenkloster hin.

Kirche des Nonnenklosters Altfriedland
Foto: H. Domnick

Die Frauenstifte wurden zunehmend Begegnungszentren. Der ortsansässige Adel pflegte hier sein familiäres Bewusstsein, auf das er großen Wert legte. Bereits Theodor Fontane erkannte trefflich am Beispiel von Kloster Altfriedland, dass die Nonnenklöster "wie von selber aus einem kirchlichen zugleich auch zu einem gesellschaftliche Mittelpunkte des Kreises wurden. Die Pfuels und die Ilows, die Eykendorps und die Höndorps, die Stranze, Barfuse und Wulffens, wie sie ihre Güter in nächster Nähe um Kloster Friedland herum hatten, so hatten sie auch ihre Töchter in demselben. Die einfache Folge davon war, dass das Kloster in gutem als auch wohl in nicht gutem Sinne des Wortes zu einem Rendezvousplatze wurde, wohin die adeligen Insassen des Kreises ihre Neuigkeiten trugen, um sie gegeneinander auszutauschen. Die Welt innerhalb und außerhalb der Klostermauern war dieselbe. Alles war versippt, verschwägert ..."

Über die Lebensweise der Konventualinnen gibt es nur ein bruchstückhaftes Wissen. Daraus lässt sich jedoch ableiten, dass das Frauenbild der Nonnen im Mittelalter weit differenzierter zu betrachten ist, als bisher angenommen. Die Absage an Weltliches und die Hinwendung zu einem gottgeweihten Leben scheint auch eine gewisse Emanzipation der Frauen gewesen zu sein. Ein Leben in der Gemeinschaft als auch persönliche Unabhängigkeit boten den Frauen eine Chance zu eigenständiger Lebensführung. Ein Abstecher nach Cedynia (Zehden) in das 1266 gegründete und jüngst rekonstruierte Kloster lässt eine bildhafte Vorstellung von mittelalterlichen Nonnenklöstern und deren gediegenem Reichtum und hoher Kultur entstehen.


Kloster der Zisterzienserinnen in Cedynia (Zehden).
Foto: K. Klebert

Den Zisterzienserinnen wird eine dominante Mystik nachgesagt, die vor allem der Liebe zu Christus als Bräutigam gewidmet ist. Durch Versenkung im Gebet, asketische Übungen und Ekstase wurde eine unmittelbare Gottesnähe angestrebt.
Es gab Chornonnen und Laienschwestern, die in getrennten Bereichen des Klosters lebten. Die gebotene Abkehr von der Welt wurde durch Klostermauern gewährleistet. Auf dem Klostergelände wohnten in gesonderten Gebäuden auch Männer: der Priester und Beichtvater, der Probst für die Verwaltung und die Konversen für die Landwirtschaft. Die Frauenkonvente wurden von einer Äbtissin geleitet und waren weitgehend selbstständig. Auch betrieben sie eine recht erfolgreiche Ökonomie.
Die adligen Damen lebten hier keineswegs "eingesperrt" oder quälten sich mit anhaltendem Fasten, sondern nach Theodor Fontane lebten sie eher "gemütlich". Über die Benediktinerinnen in Spandau wird gesagt, ihr Leben sei beschaulich und tätig zugleich gewesen. Zur Lebensweise im ehemaligen Nonnenkloster Seehausen, einem der kleineren Landklöster, gibt es anhand von Grabungen und Tauchfunden 1984 bis 1991 interessante Aussagen. Die Nonnen boten Reisenden und Pilgern Schutz und Unterkunft, wie das Fundmünzen und Pilgerzeichen bezeugen. Andere Gegenstände berichten über das klösterliche Alltagsleben: Messer, Nadeln, Scheren, Beschläge, Schüsseln und Schlösser. Aber auch Obstkerne und Pollen von Kulturpflanzen wie Getreide oder Wein ermöglichen ein Bild über die Lebensgewohnheiten der Nonnen. Einzelne Fundstücke verweisen auf eine Klosterbibliothek, auf eine hohe Buchkultur und darauf, dass hier Kinder unterrichtet wurden.

Im 14. Jahrhundert kam es in der Zeit der bayrischen und luxemburgischen Herrschaft zu einem nicht mehr zu übersehenden "Sittenverfall" der Nonnenklöster in der Region. So erklärt sich, dass der brandenburgische Bischof Dietrich von Schulenburg 1381 einen harschen Brief an das Frauenkloster in Altfriedland richtete und die Nonnen zur Ordnung rief. Er setzte sich darin mit der eingerissenen "milden Praxis" in der Ausübung der Klosterregeln auseinander. Im Visitationsbescheid von 1541 wird den Nonnen in Zehdenick sogar ein "leichtfertiges" Leben vorgeworfen. Die Pilger zur Wallfahrtskirche mit den Heilig-Blut-Reliquien wurden vermutlich in der sogenannten "Klosterscheune" beherbergt. Eine Weiterführung der Gastung als Wirtschaftszweig des Stiftes nach der Reformation wurde nicht genehmigt, da hier nunmehr "züchtig und ruhig" gelebt werden solle.

Nach der Säkularisierung der Klöster durch den brandenburgischen Kurfürsten wurden diese späterhin meist an Adlige weitergegeben. So musste das Kloster der Benediktinerinnen in Prenzlau nach der Visitation 1543 seinen Grundbesitz und die grundherrlichen Rechte an den Kurfürsten abtreten. 1559 wurde Graf Wilhelm von Hohenstein-Schwedt damit belehnt. 1577 überließ es der Kurfürst schuldenhalber Otto von Arnim auf Gerswalde. Das Nonnenkloster Boitzenburg mit seinem riesigen Besitz an Klosterdörfern ging an die von Arnim in Boitzenburg.

Da der Adel und die reichen Stadtbürger an der Versorgung ihrer unverheirateten Töchter und an einem religiösen Mittelpunkt für eine familiäre Frömmigkeit interessiert waren, wurden einige Frauenklöster nach der Reformation zu evangelischen Damenstiften umgewandelt, so 1541 Kloster Zehdenick. Die pommerschen Landstände versuchten 1569, 1601 und 1608 das Nonnenkloster Gartz ebenfalls als ein evangelisches Stift bestehen zu lassen - jedoch vergeblich.

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© Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2008

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