Mittelalterliche Klöster im Gebiet der Märkischen Eiszeitstraße

Vorwort | Klostergründungen | Politische Funktionen | Wirtschaftliche Funktionen | Kulturelle Funktionen | Besonderheiten der Nonnenklöster | Backsteingotik und Ordensregeln | Klosterbauhütten und Backstein als Baumaterial | Niedergang der Klöster und Reformation |


Wirtschaftliche Funktionen der Klöster

Von Anbeginn übten die Klöster mehrheitlich auch eine handfeste wirtschaftliche Macht aus. Feudaler Grundbesitz bildete für viele die Basis ihres Wirtschaftslebens. Sie bezogen ihre Einnahmen über die ihnen eigenen Klosterdörfer, hatten Dienst- und Abgabefreiheiten und besaßen Immunität gegenüber den landesherrlichen Vogteien. Bereits die Prämonstratenser von Gramzow bildeten frühzeitig eine stiftische Grundherrschaft, entstanden zumeist aus Schenkungen der Landesherren. Die größten feudalen Grundbesitzer auf dem Barnim und in der Uckermark waren jedoch die Zisterzienser - etwa ein Viertel dieses Territoriums gehörte ihnen. Auch außerhalb liegende Zisterzienserklöster hatten beachtliche Besitzungen auf dem Barnim: Kloster Zinna verfügte vorwiegend in der Gegend um Strausberg über Land; dem Kloster Lehnin unterstanden auf dem Barnim ab 1242 urkundlich verbrieft die Dörfer Basdorf, Klosterfelde, Schönerlinde, Stolzenhagen, Wandlitz, Mühlenbeck, Summt und Schildow.

Die Ordensregeln der Zisterzienser schrieben vor, dass agrarische Wirtschaft nur für den Eigenbedarf betrieben werden solle. Auch Abgaben aus fremder Arbeit durften nicht angenommen werden. Das "ora et labora" (bete und arbeite) war das von ihnen vertretene Ideal. Sie wollten nicht von Almosen anderer, sondern von ihrer Hände Arbeit leben. Zum eigenen Gebrauch standen ihnen Äcker, Gewässer, Wälder, Wiesen, Weinberge, Obstplantagen und Gärten zur Verfügung, und sie hielten sich Nutztiere. Sie machten das Kloster weitgehend autark. Alles Lebenserhaltende wurde in eigener Landwirtschaft, im Garten- und Weinbau und im Handwerk erarbeitet.


Wirtschaftshof des Klosters Chorin.
Foto: H. Domnick

Gemäß ihrer besonderen Eigentumsformen gebrauchten sie geschickt ihre Möglichkeiten. Sie wurden reich über Kauf und Tausch von Ländereien, betrieben Eigenwirtschaften mit einer spezialisierten Arbeitsteilung und nutzten die ihnen gehörenden Klosterdörfer. Auch eigene Wirtschaftshöfe wurden oft schon in der ersten Hälfte des 13. Jahr-hunderts eingerichtet. Da die Herrschaft über Hörige ausgeschlossen war, wurden zahlreiche Konversen (Laienbrüder) für Dienste und Leistungen auf den verschiedensten Gebieten (Hofverwalter, Viehhirten, Bauleute, Handwerker u.ä.) gewonnen. Sie lebten getrennt von den Mönchen, aber in Abhängigkeit vom Kloster.
Die Zisterzienser nannten in der Region viele Klosterdörfer als Volldörfer ihr Eigen, aber auch Anteile an anderen Siedlungen. So besaß Kloster Chorin 13 Volldörfer. Zumeist übten die Konvente in ihren Dörfern das Kirchenpatronat aus. Solange genügend Konversen und Kossäten (Besitzer kleinster Anwesen, die als Landarbeiter wirkten)die anfallenden Arbeiten verrichteten, waren die deutschen Bewohner in den Klosterdörfern von persönlichen Diensten frei. Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Konversen führten jedoch zur Abweichung von den strengen Klosterregeln und zur Einführung feudaler Rentengrundherrschaft. Im Unterschied zur Eigenwirtschaft beruhte sie auf Verpachtung von klostereigenem Boden gegen Zins in Naturalien oder als regelmäßige Zahlung von Geldbeträgen.

In früheren Publikationen wurde die kolonisatorische Leistung der Zisterzienser lange Zeit hoch bewertet. Ihr Verdienst im Barnim und in der Uckermark liegt jedoch vielmehr in der für den Feudalismus weitgehenden Organisation ihrer Wirtschaftshöfe, den Grangien. Sie lagen nicht in unmittelbarer Nähe des Klosters, sondern wurden als "Ferngrangien" betrieben. Da die Mönche laut Ordensregel nicht außerhalb des Klosters leben durften, oblag die Bewirtschaftung vornehmlich den Konversen. Für Kloster Chorin wurden auch Lohnarbeiter tätig. Die Grangien des Klosters Chorin sind archäologisch bisher nicht erforscht. Aus Quellen ist zu schließen, dass es insgesamt 11 Wirtschaftshöfe gab. In der Regel wurden ganze Dörfer mit sämtlichen Hufen zu Grangien umfunktioniert. Ein Wirtschaftshof des Klosters Lehnin lag beim oberen der "Heiligen Drei Pfühle" in Wandlitz und weitere auf dem Feldmarkteil Altenhof bei Schönwalde, in Mühlenbeck und in Schönerlinde.

Postamt des Weihnachtsmannes am Kloster Himmelpfort
Foto: H. Domnick

Wichtigste Einnahmequelle von Kloster Himmelpfort war die Fischwirtschaft. Es besaß nur zwei Grangien, eine in Stolp und eine in Thymen, wobei beide Dörfer zugunsten dieser Agrarhöfe aufgelassen wurden. Heute befindet sich in Himmelpfort das "Postamt des Weihnachtsmannes", das die Wünsche von tausenden Kindern in aller Welt erhält.

Auf den Wirtschaftshöfen und in den Klosterdörfern wurde alsbald mehr produziert, als die Mönche und deren Helfer selbst benötigten. Mit dem Mehrertrag konnte frühzeitig auf den nahegelegenen Märkten Handel getrieben werden. Auch der Fernhandel florierte, zumal die Markgrafen von Brandenburg und die pommerschen Herzöge den Klöstern Zollfreiheit gewährten. Die Veränderung des wirtschaftlichen Umfeldes im späteren Mittelalter führte dazu, dass Wirtschaftshöfe oft als Hebestellen für die Abgaben der Bauern und als Speicher dienten. Später kamen Stadthöfe hinzu, die als Absatzmarkt wirkten, so für das Choriner Kloster in Angermünde und in Barsdin/Oderberg. Vermutlich gab es nach dem Ausbau von Berlin-Cölln zur Residenzstadt der Hohenzollern auch hier einen Stadt- bzw. Abtshof.

Klostermühle Boitzenburg
Foto: W. Ebert

Interessant ist, dass die Frauenkonvente ebenso erfolgreiche Ökonomen waren. Sie wurden mit beachtlichen Ländereien durch Schenkungen der Landesherrn und Stiftungen des lokalen Adels sowie reicher Bürger ausgestattet und erwarben durch planmäßige Käufe weitere Besitzungen. In ihren Klosterdörfern betrieben sie vorrangig eine Rentengrundherrschaft.

Allein das Nonnenkloster Boitzenburg konnte einen geschlossenen Komplex mit etwa 30 Dörfern erlangen! Daneben besaß es Eigenwirtschaften, so in Boitzenburg und in Hardenbeck. Auch beschäftigte es eine hohe Zahl von Kossäten - allein für Boitzenburg sind 71 Kossätenstellen ausgewiesen. Überschüssige Geldbeträge legten die Nonnen zum Kauf von neuen Ländereien an. Seit 1331 ist Geldverleih in größeren Beträgen nachgewiesen, teilweise gegen Verpfändung von Gütern.
Das Kloster der Benediktinerinnen Spandau besaß zeitweilig Anrechte und Befugnisse in 17 Dörfern auf dem Barnim, so das Kirchenpatronat in Willmersdorf. Einer der größten Frauenkonvente war die Zisterze in Zehdenick mit ihrem großen Wirtschaftshof. Ihr gehörten 16 Dörfer in Vollbesitz und weitere in Teilbesitz. Wichtigste Einnahmequelle war jedoch die Wallfahrtskirche mit den Heilig-Blut-Reliquien.

Die Bettelorden der Franziskaner, der Dominikaner, der in der Region ansässigen Augustiner-Eremiten sowie der Serviten lebten gemäß Armutsgelübde nicht vorrangig von eigenen Ländereien, sondern von der Bezahlung seelsorgerischer Leistungen (Predigten, Beichte hören, Messen lesen, Feiern zum Totengedächtnis). Teilweise besaßen sie zu fest umrissenen Terminen einen, vom Papst genehmigten Bezirk für das Einsammeln von Almosen. Die Franziskaner von Prenzlau vermehrten ihren Besitz über Stiftungen und Schenkungen, so der Brauergilde und der Bäckerzunft, aber auch von Prenzlauer Bürgern für das "fürbittende Gebet". Später betrieben sie auch Zinsgeschäfte. Ähnliches lässt sich von den Dominikanern in Prenzlau sagen: sie lebten von den Einkünften in Form von Jahreszinsen aus Memorialstiftungen (Todengedenken in Form von Seelenmessen, Eintragungen in das Totenbuch des Konvents), geringfügig auch von Pacht aus Land- und Hausbesitz sowie von der Kreditvergabe gegen Pfand. Schenkungen wurden oft in Geld angelegt. Damit war ein mobiles, monetäres Vermögen die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz. Diese Annäherung an die Methoden der Geldwirtschaft lassen an frühe Formen des Kapitalismus denken.

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© Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2008

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