Mittelalterliche Klöster im Gebiet der Märkischen Eiszeitstraße

Vorwort | Klostergründungen | Politische Funktionen | Wirtschaftliche Funktionen | Kulturelle Funktionen | Besonderheiten der Nonnenklöster | Backsteingotik und Ordensregeln | Klosterbauhütten und Backstein als Baumaterial | Niedergang der Klöster und Reformation |


Politische Funktionen der Klöster

Die Klöster erhielten von ihren Gönnern eine beachtliche Ausstattung - natürlich in Erwartung von Gegenleistungen: sie wurden zu einer wichtigen Stütze beim Ausbau und bei der Stabilisierung feudaler Macht. Die herrschenden Landesherren arrangierten sich mit allen gesellschaftlichen Kräften und waren bemüht, vorhandene Widersprüche auszubalancieren. Seit dem Kompromiss im "Zehntstreit" (1237) gab es zeitweilig zwischen der weltlichen Macht und dem Klerus keine aufreibende Rivalität, auch wenn weiterhin Besitzansprüche geltend gemacht wurden. Zeitweilig kam es zur direkten Verknüpfung der Herrschaft der Landesherrn mit den Klöstern, so der Askanier mit den Zisterziensern beim Bau des Klosters Chorin.


Luftbildaufnahme der Gesamtanlage des Klosters Chorin.
Foto: G. Lutze

Oft versicherten sich die Landesherren mit Klostergründungen territorialer Besitzansprüche gegenüber streitbaren Nachbarn oder auch gegenüber dem Klerus. So waren politische Auseinandersetzungen um die territoriale Zugehörigkeit von Oderberg Anlass zur Gründung des Klosters in Barsdin/Oderberg. Nachdem Albrecht II. von Brandenburg keine Zustimmung vom Päpstlichen Stuhl für die Gründung eines Klosters zwecks Befestigung seines Besitzes erhielt, musste er sich 1214 aus der Gegend zurückziehen. Erst seine Söhne konnten diesen Akt bewusst vollziehen, nachdem sie um 1230 vom Kaiser mit dem Barnim belehnt worden waren. Damit gerieten sie aber in Widerspruch zu den territorialen Besitzansprüchen des Bischofs von Kammin, Konrad II., der Barsdin als Teil seiner "terra Lipana" betrachtete. Um sein Herrschaftsgebiet zu dokumentieren, überließ er dem neuen Prämonstratenserstift 100 zusammenhängende Hufen.

Die Klosterstiftungen garantierten den Landesherren eine religiöse Legitimierung ihrer Machtposition. Dabei gingen sie zielgerichtet vor. Bereits die Wahl der bevorzugten Orden erfolgte nach politischer Zweckmäßigkeit. Auch scheuten sie nicht den Wechsel. So gerieten die Prämonstratenser von Gramzow als Spielball politischer Auseinandersetzungen zwischen die Fronten. Ihre Pröpste waren hoch angesehen und wurden von den pommerschen Herzögen mit wichtigen Aufgaben betraut. Die Askanier waren zunächst ebenfalls diesem Orden wegen seines großen politischen Einflusses verpflichtet - die Bischöfe von Havelberg und Brandenburg kamen von den Prämonstratensern. Dennoch protegierten die Askanier mit wachsender Konsolidierung ihrer Territorialherrschaft nach Nordosten ab Mitte des 13. Jahrhunderts vorrangig die Zisterzienser und entzogen sich der Bevormundung der Prämonstratenser.

Einige Abteien der Region wirkten als Hausklöster und Grablege der askanischen Landesherren und wurden deshalb besonders gefördert. Als Orte des Totengedächtnisses dienten sie der Pflege der dynastischen Tradition des Herrscherhauses und damit seiner Repräsentation. Im Kloster Chorin befand sich die komplette Grablege für den Johanneischen Zweig der Familie der Askanier. Kloster Himmelpfort war Grablege von Markgraf Albrecht III. Im Kloster der Dominikaner zu Strausberg wurde 1267 Markgraf Otto III. beigesetzt.

Arkaden der Kirchenruine des Klosters Himmelpfort
Foto: W. Ebert

Kloster Chorin als Hauskloster der Askanier ging über den Status eines der üblichen schlichten Zisterzienserklöster weit hinaus. In dieser "geistigen Hochburg" (im Sinne des Wortes) äußerte sich die Verflechtung von weltlicher Macht und mittelalterlicher Religion am augenfälligsten, besonders an der berühmten Westfassade oder am vorgebauten Pfortenhaus.
Kloster Chorin lag nach dem Tod des letzten Askaniers auf der "Drehscheibe" politischer Wirren in den Machtkämpfen der nachfolgenden Herrscher. Der Konvent erwies sich jedoch als Meister darin, vorteilhafte Zweckbündnisse mit den jeweils politisch Erfolgreichen abzuschließen. Als 1348 der "falsche Woldemar" mit seinem Heer in die Uckermark kam, anerkannten sie ihn als Landesherrn, obwohl der letzte der Askanier, der echte Markgraf Woldemar, bei ihnen begraben lag.

In der feudalen Strategie spielten die Mönche als "geistige Beiräte" eine wichtige Rolle, auch wenn sie im Hintergrund des politischen Geschehens blieben. Nur beim Abschluss wichtiger Verträge wurden die Äbte als Zeugen namentlich wirksam. Sie sanktionierten mit ihrer Unterschrift nicht nur das Vorgehen der weltlichen Herrscher, sondern gaben deren Entscheidungen ein gottgewolltes Ansehen. Aus der Vielzahl erhaltener Urkunden kann geschlossen werden, dass Verträge oft von den Mönchen vorbereitet wurden, auch wenn sie als Rechtsberater anonym blieben. Erst im späteren Mittelalter wurden die Äbte von Chorin und von Himmelpfort im Auftrag der Hohenzollern als kurfürstliche Räte öffentlich wirksam und mit politischen Missionen betraut.

Im Mittelalter waren einige Klöster Begegnungszentren maßgeblicher politischer Kräfte. Besonders das Dominikanerkloster Strausberg war prädestiniert für die Beratung interner Angelegenheiten. Schon eine ordensinterne Einstufung um 1275 bezeugt, dass es im nordostdeutschen Raum eine angesehene Stellung innehatte und noch über Lübeck, Rostock oder Stralsund lag. Es war mehrfach Aufenthaltsort von Markgrafen und Herzögen, gleich, ob sie brandenburgisch, sächsisch oder bayrisch waren. Auch bot das Kloster 1373 Quartier für Kaiser Karl IV. mit seinem Sohn Wenzel. Die Hohenzollern kamen ebenfalls hierher, so Burggraf Friedrich von Hohenzollern 1412, abgelöst von Kurfürst Friedrich II. 1441 und Kurfürst Albrecht Achilles 1471.

Offensichtlich hatten einige Klöster auch die Funktion der Grenzsicherung - weniger in militanter Hinsicht, als vielmehr zur Markierung der Landesherrschaft. Das Nonnenkloster Altfriedland diente vermutlich der Grenzbefriedung. Sein früherer Name "Vredelant" (befriedetes Land) könnte dies bestätigen. Einige Wirtschaftshöfe von nichtbrandenburgischen Klöstern hatten ihrerseits den Zweck der Markierung der Herrschaft fremder Landesherren in der Uckermark und auf dem Barnim. Herzog Heinrich I. von Schlesien hatte schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts den Zisterziensern mit Münchehofe und mit Trebnitz sowie den Augustiner-Chorherren mit Worin Land im damaligen Grenzgebiet zwischen dem markgräflichen Land Brandenburg und dem polnischen Lebus geschenkt.

Auch nach der Ermächtigung Friedrich I. von Hohenzollern 1415 zum Kurfürsten Brandenburgs durch den römisch-deutschen König Sigismund spielten die Klöster eine maßgebliche politische Rolle. Die Franziskaner waren anscheinend unmittelbar beteiligt am Sieg Friedrich I. in der Schlacht von Angermünde, in der die Pommern vertrieben wurden. Die Legende berichtet, dass die Franziskanermönche den ihnen gehörenden Teil der Stadtmauer öffneten und den Truppen des Hohenzollern damit Zugang zur Stadt verschafft haben sollen.

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© Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2008

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